Archiv für den Monat: April 2013

LANA DEL REY / DÜSSELDORF / 17.04.2013

Lana de Rey ist von Beruf nicht nur Sängerin und Songwriterin, sondern übt sich auch in der Schauspielerei: Beim Konzert in der Düsseldorfer Mitsubishi Electric Halle räkelt sie sich lasziv, schlägt die mit falschen Wimpern behafteten Augen schüchtern schmachtend auf und haucht und seufzt die Worte mehr als dass sie sie singt ins Mikrofon.

Wie die personifizierte Unschuld erscheint Del Rey, die mit bürgerlichem Namen Elizabeth Woolridge Grant heißt, vor ihren Zuhörern: Mit dem kurzen weißen Kleid und den Blüten im Haar versprüht sie Naiv-Mädchenhaftes. Das ändert sich, wenn die 26-Jährige mit ihrer hypnotischen und bisweilen verrucht klingenden Stimme zu singen beginnt.

Man könnte sich die Dame sehr gut als Femme Fatale in einem Film Noir vorstellen. Vielleicht ist das der Grund, warum das Bühnensetting optisch auch einem Streifen wie “Gangster in Key Largo” gut zu Gesicht gestanden hätte: In schummrigem Licht erhellte Palmen stehen da, daneben Sträucher und andere Pflanzen. Schwere Kerzenständer sind aufgebaut, ebenso eine Löwen-Statue. Im Hintergrund ragt eine Säule ins Bild. Fast alles ist in Goldtönen gehalten und könnte auch den 50er Jahren entsprungen sein.

Bebildert werden die Songs von den großen Leinwänden im Hintergrund. Bei “American” sind es Homevideos und Werbespots aus der Nachkriegszeit, bei “Burning Desire” pumpendes Blut und brennende Herzen. Nur die allzu oft eingeblendete, patriotisch dahinwehende amerikanische Fahne ist ein wenig penetrant.

So gut die Bühnenoptik in Kombination mit Del Reys Auftreten und den soulig-jazzig düsteren Songs funktioniert, die Atmosphäre will sich nicht bis auf die Tribünen am Ende der Halle ausbreiten. Das liegt zum einen an den kreischenden, zumeist weiblichen Fans an der Bühnenabsperrung. Zum anderen wäre bei diesem Konzert eine Komplettbestuhlung des Saals angemessener gewesen.

Aber auch Del Rey kann ihrem Image als unnahbare Lolita nicht lange standhalten und wird ganz schnell zur freundlich lächelnden jungen Sängerin, die ganz bei ihren Fans sein will. Gleich beim ersten Song, “Cola”, schreitet sie die Stufen der Bühne hinab und schreibt da unten im dunklen Gang zwischen Sicherheitsleuten und Absperrgittern fleißig Autogramme. Das wiederholt sie hin und wieder, spielt dabei mit ihrem Image und sorgt dafür, dass die Fans in den hinteren Reihen nach ihr suchen müssen.

Sobald die gebürtige New Yorkerin zurück auf der Bühne ist, wirkt sie gleich wieder unterkühlt, steht bisweilen fast regungslos am Mikrofon und reiht ohne viel Tamtam ihre Song aneinander. Neben den bekannten Singles aus dem Erfolgsalbum “Born to Die” wie “Summertime Sadness” und “Video Games” gehören auch Cover von “Blue Velvet” und “Knockin’ on Heaven’s Door” zum Programm.

Unterstützt wird die Sängerin von einer sehr gut aufspielenden Band. Neben Gitarre, Bass und Schlagzeug kommen unter anderem auch Klavier, Kontrabass und ein Streicher-Trio zum Einsatz, die den Stücken einen orchestral erhabenen Charakter verleihen. Vor allem beim größten Hit “Video Games” und dem abschließenden “National Anthem” erhalten die Songs eine hymnische Note.

Nach rund 75 Minuten schon ist Lana del Rey mit ihrem Programm durch. Kein Wunder: Viel mehr Material, das die Fans hätten kennen können, hat die 26-jährige noch nicht in petto. Ein wenig mehr wäre aber noch dagewesen. Stattdessen macht Lana del Rey, was ein eigentlich unkomplizierter Star so macht: ihren Namen auf Eintrittskarten kritzeln, Fotos mit Fans schießen und Hände abklatschen.

ONEREPUBLIC / DÜSSELDORF / 13.04.2013

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Erwachsen und mit instrumental anspruchsvoll arrangierten Songs präsentierten sich die US-amerikanischen Poprocker von OneRepublic in der Düsseldorfer Mitsubishi Electric Halle.

Das aktuelle Album “Native” stellte die Band ebenso vor wie bekannte Hits. Frontmann Ryan Tedder begleitete “Apologize” am Klavier. Stadion-Poprock in Perfektion gab es bei “All the Right Moves”. Bombastisch entwickelte sich die Hymne “Can’t Stop” von der neuen Platte mit schwerfälligem Schlagzeug und verzerrten Gitarren. “Counting Stars” dagegen begann mit starkem Gitarrensolo und entwickelte sich zum treibenden  Tanzflächenknüller.

Höhepunkt aber war das Cover “Seven Nation Army”, in das der Fünfer unter anderem Adeles “Rolling in the Deep” und “Roxanne” von The Police einflocht.

THE GASLIGHT ANTHEM / DÜSSELDORF / 01.04.2013

TIM_1612-2aEs hat eine Zeit lang gedauert, bis The Gaslight Anthem aus New Jersey den Weg in die Charts gefunden haben. Erst mit ihrem aktuellen, vierten Album “Handwritten” sind sie in Deutschland, Großbritannien und den USA nach vorne in die Hitlisten geprescht. Dementsprechend ist auch beim Konzert in der Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf die Hütte voll.

Der musikalische Wandel des Quartetts mag eine wesentliche Rolle für den Erfolg gespielt haben. Vom erdigen Punkrock der ersten Stunde haben sich The Gaslight Anthem im Lauf der Zeit immer mehr in Richtung Bruce Springsteens Heartland Rock entwickelt. So wie “Red in the Morning” oder “1930″ gehen nur wenige Songs ohne Kompromisse knallhart geradeaus.

Stattdessen zeigen sich die Musiker immer wieder facettenreich: “Handwritten” lädt zum Mitgrölen ein und nimmt sich Zeit für ein kleines Gitarrensolo. Das relaxt groovende “The Diamond Church Street Choir” dagegen ist beste Cabrio-Musik. Die Midtempo-Nummer “The Queen of Lower Chelsea” beginnt geheimnisvoll und wird erst am Schluss brachial.

Bluesig geht es bei “Even Cowgirls Got the Blues” und dem schleppenden “Too Much Blood” zu. Bei letzterem und der Hymne “Keepsake”, dem beste Song vom aktuellen Album, darf der umfangreich tätowierte Leadsänger Brian Fallon seine Kratzstimme endlich ausreizen. Das ist großes Kino. Mit dem wunderbar melodiösen “Where Art Thou, Elvis?” von der EP “Senõr and the Queen” findet zudem eine Nummer Einzug in die Setlist, die nach Angabe Fallons nur selten von ihnen auf Konzerten gespielt würde.

Andere Songs gehören zum Standard-Repertoire eines Gaslight-Anthem-Auftritts; es sind die zahlreichen kleinen Hits, die die Band von der US-Ostküste seit ihrer Gründung 2006 geschrieben hat. Das flotte “The ’59 Sound” mit seinem Ohrwurm-Refrain gehört dazu, genauso wie “Great Expectations”, in dem sich Fallon als gewohnt guter Geschichtenerzähler beweist, oder “I’da Called You Woody, Joe”, ein Tribut an den Clash-Sänger Joe Strummer.

Gemeinsam mit Tour-Gitarrist Ian Perkins liefern The Gaslight Anthem in Düsseldorf eine routinierte Rock-Show ab. Bis auf Schlagzeuger Benny Horowitz stehen die vier Saiteninstrumentalisten aufgereiht nebeneinander, ohne sich allzu sehr zu bewegen. Nur manchmal kommen sie zusammen und spielen sich für einige Augenblicke die Melodien zu.

Nicht nur die Interaktion untereinander, auch jene mit dem Publikum hält sich in Grenzen: Sänger Brian Fallon outet sich als Fan von Social-Distortion-Frontmann Mike Ness und gratuliert einem Fan zum 40. Konzertbesuch. “Hast du einen Job?” fragt er. “Pass auf, dass du nicht gefeuert wirst. Wir sind nicht Van Halen.” Für sie würde sich das Risiko immerhin lohnen, sagt er und sorgt für Lacher. Ansonsten ist er nicht sonderlich gesprächig, konzentriert sich stattdessen mehr auf seine Songs, will er denn doch beweisen, dass nicht nur David Lee Roths Band gute Musik macht, sondern auch seine eigene.

Ein Schnippchen schlägt ihm der Sound in der Düsseldorfer Konzerthalle. Der ist zu laut abgestimmt, Fallons Gesang verwandelt sich manchmal in eine unverständliche Masse. Ganz vorne interessiert das aber niemanden. Da wird The Gaslight Anthem rund 100 Minuten am Stück gefeiert.

The Gaslight Anthem / Düsseldorf / 01.04.2013

The Gaslight Anthem / Düsseldorf / 01.04.2013

Apologies I Have None / Japandroids / Düsseldorf / 01.04.2013

Apologies I Have None / Japandroids / Düsseldorf / 01.04.2013

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