Archiv für den Monat: Mai 2011

PETER MAFFAY / DORTMUND / 25.05.2011

Deep Purple haben es vor Jahrzehnten vorgemacht, Metallica waren damit sehr erfolgreich und auch Sting tourte schon mit einer besonderen musikalischen Unterstützung. Für Peter Maffay ist die Kombination Rock plus Orchester eine perfekte „Symbiose aus Krawallmachern und Musikern, die aus der Klassik kommen“, wie er beim Auftritt im Rahmen seiner Tattoo-Tournee in den Westfalenhallen erklärt.

Deswegen ist es auch nicht einfach nur ein Rock-Konzert im ausverkauften Haus, sondern eine richtige Show-Produktion. Überzeugen davon konnten sich die Fans des Sängers bereits im vergangenen Jahr, als er einen ersten Stopp in Dortmund machte. Optisch setzt Maffay, der mit einer Harley auf die Bühne fährt, dann auch auf Bewährtes: Im Bühnenhintergrund ist das rund 30-köpfige Philharmonic Volkswagen Orchestra auf einem zwei Etagen großen Gerüst arrangiert. Davor wirbelt Dirigent Hans-Ulrich Kolf seine Arme im Takt. Für den Rock sorgt die sechsköpfige Peter-Maffay-Band, die ihr Handwerk perfekt beherrscht und ein über viele Jahre eingespieltes Team ist. Die Freude am Musizieren ist jederzeit deutlich spürbar und reißt die Zuhörer ebenso mit wie Maffays unermüdliche Präsenz. Unterstützt wird der Auftritt durch die hervorragende Akustik in den Westfalenhallen. Das findet auch Maffay selbst. „Ein toller Klangkörper“, befindet er. Er selbst ist stimmlich ein wenig angegriffen und entschuldigt sich auch gleich, etwas heiser zu sein. Auffallen tut dies aber nur, wenn er sich in höhere Stimmlagen begibt.

Anders als der Titel der Tour vermuten lässt, steht nicht ausschließlich das gleichnamige aktuelle Album im Vordergrund des Konzerts, sondern ein ausgewählter Querschnitt aus über 40 Jahren Bühnengeschichte untermalt mit Posaune, Violine und Kontrabass. Jeden einzelnen Titel kündigt Maffay an, erzählt Anekdoten oder etwas zur Entstehungsgeschichte der Songs. „Und es war Sommer“ gehört ebenso zum Repertoire wie Maffays Debüt-Single „Du“ und das Karat-Cover „Über sieben Brücken musst du geh‘n“. Ein verschüchtertes junges Mädchen aus dem Publikum darf ihn beim Refrain auf der Bühne stimmlich unterstützen. Wie es klingt, wenn die Band wegbleibt und Maffay nur von den Philharmonikern begleitet wird, zeigt er dann bei „Ewig“, dem heimlichen Höhepunkt des Abends.

Hitverdächtig ist auch die zum Teil selbstironische Bilder-Show, die über die Leinwände flimmert. Fotos und Titelseiten von Jugendzeitschriften zeigen den Maffay der Vergangenheit in roten Plateauschuhen, orange-farbenen Schlaghosen und mit einem Dalmatiner an der Leine.

Sympathisch und immer mit einem Lächeln auf den Lippen wickelt Maffay seine Fans um den Finger. Nach wenigen Songs sitzt fast niemand mehr in den komplett bestuhlten Westfalenhallen. Als der Klassiker „So bist du“ angespielt wird, ist es mit der Ordnung in den Blöcken vollends vorbei, die Fans rennen reihenweise an die Bühnen-Absperrung und lassen die wenigen Ordner hilflos zurück. Maffay will seine Fans offenbar ganz nah bei sich haben und geht auf Schmusekurs. Am Ende genießt er das wohlverdiente Bad in der Menge, klatscht mit unzähligen Armen ab und posiert für Fotos: Maffay zum Anfassen. Die Fans danken es ihm und lassen ihn und die Band erst nach rund drei Stunden von der Bühne.

(erschienen am 27.05.2011 im Westfälischen Anzeiger)

QUEENS OF THE STONE AGE / KÖLN / 02.05.2011

qotsa

Wer ein Konzert von Queens of the Stone Age besucht, den erwartet schwere Kost. Disharmonien prägen das Klangbild, nicht enden wollende erdige Riffs folgen Schlag auf Schlag, und die Musiker ergehen sich häufig in minutenlangen Gitarrensoli – so auch beim Start der Europatournee des kalifornischen Quintetts im Kölner E-Werk.

Hinzu kam, dass von Beginn an zu spüren war, dass die Band nicht auf der Bühne stand, um eine neue Platte zu promoten – das letzte Studioalbum stammt aus dem Jahr 2007 – sondern um die vor kurzem neu erschienene digital überarbeitete Neuauflage des selbstbetitelten Debütalbums aus dem Jahr 1998 zu feiern. Deshalb gab es in der ersten Hälfte des Auftritts hauptsächlich Lieder, die die Band sonst nur selten präsentiere, erklärte Sänger Josh Homme. Songs, die sie zum Teil 13 Jahre nicht mehr auf der Bühne gespielt hätten, weswegen er auch nicht müde wurde, den Abend als einen ganz besonderen zu betiteln.

Heraus kamen zahlreiche Acht-Minuten-Brocken mit psychedelischen Einschlägen, staubtrockene Desert-Rock-Songs, die aus den Blues- und Grunge-Einflüssen der Gruppe kein Hehl machten. Seine Freude am nicht enden wollenden Spiel mit den Gitarrensaiten erklärte Homme mit Jimi Hendrix. Er versuche immer, wie er zu spielen. Gelingen indes tue ihm das nie. Daran, dass er sein Handwerk wie nur wenige versteht, ließ er dennoch keinen Zweifel. Worin er sich aber noch besser verstand, war eine erfrischend unaufgesetzt wirkende Coolness.

Homme hatte regelmäßig eine Zigarette im Mundwinkel, blies Ringe in den Bühnenhimmel und gönnte sich den einen oder anderen Schluck aus der Pulle. Er tanzte zu den eigenen Songs, suchte mit knackigen Ansagen den Kontakt zum Publikum und erklärte sich als Liebhaber kleiner Konzertstätten, wo man den Zuhörern noch direkt ins Gesicht sehen könne.

Nachdem die vierfach für einen Grammy nominierte Band nach einer guten Stunde von der Bühne verschwand, folgte nicht der erwartete Zugabenteil, sondern die zweite Konzerthälfte, in der sich die Besucher Songs der Band wünschen durften – aus allen bislang fünf erschienenen Alben. Ob Homme im wirren Durcheinander der schreienden Meute tatsächlich die geforderten Liedtitel aufschnappte oder die Nummern selbst auswählte – jedes wichtige Stück wird ihm wohl zugerufen worden sein –, sei dahingestellt, spontan wirkten die Absprachen der Bandmitglieder zwischen den Songs allemal.

Es folgte eine ganze Reihe an Hits, mit der sich die Band in der Vergangenheit einen Namen gemacht hatte, darunter Songs wie „Tangled Up in Plaid“, „Burn the Witch“ und „Little Sister“. So kamen auch noch die auf ihre Kosten, die genau deswegen angereist waren.

(erschienen am 04.05.2011 im Westfälischen Anzeiger)